Tanz mir das Lied von der Farbe
Jubiläum! Das BimBam-Festival findet am Toihaus bereits zum zehnten Mal statt und bietet mit zehn Kompanien eine fein kuratierte Auswahl für das jüngste Publikum. Mit im Programm: “Kleur+” von Dadodans aus den Niederlanden. Wenn Fünfe einfach mal farbenprächtig gerade bleiben dürfen.
An der Waldorfschule tanzen die Schüler ihre Namen – so zumindest das gängige Klischee, das besonders bei jenen beliebt ist, die so eine Einrichtung nie von innen gesehen haben. Dadodans geht noch einen Schritt weiter: Die Kompanie aus den Niederlanden lässt mit “Kleur+” gleich ein ganzes Bild performen. Denn, so ist Choreografin Gaia Gonnelli überzeugt, Tanzen ist eine Form des Malens, bei der die Spuren der Tänzer:innen unsichtbar bleiben.
Vier Vorstellungen lang konnte sich das Publikum beim BimBam-Festival selbst davon überzeugen. “Kleur+” ist Teil dieser vom Toihaus kuratierten Veranstaltung, die sich ganz dem Theater für die Jüngsten verschrieben hat – und schon beim Einlass wird deutlich: Das Publikum besteht vor allem aus Wiederholungstäter:innen. Ohne konkrete Anweisungen werden von Groß und Klein brav die Schuhe ausgezogen. So ein Bühnenboden ist sensibel – besonders, wenn er zum eigenen Platz überquert werden muss.
Farb- und Klangwelten: Kleur+
“Kleur” steht im Niederländischen für „Farbe“, das „+“ symbolisiert vermutlich den Performance-Part. Selbstverständlich hat Gaia Gonnelli recht, und Candela Murillo (Tanz) zeigt, wie es funktioniert. Sachte beginnt sie und stimuliert mit ihren assoziativen Bewegungen die Fantasie der Klein(st)kinder. Das vermutlich kritischste Publikum der Welt ist so still wie bewegt. Freude und Staunen liegen bei “Kleur+” eng beisammen – besonders, wenn die Farbelemente in die Performance einbezogen werden.
Da türmt sich roter Puder zu einer großen Wolke auf oder wird großzügig über den Bühnenboden gepustet, geschoben und verwischt. Mit Wonne lässt Candela Murillo die tiefblauen Farbstrahlen über die Oberfläche kreisen, um mit den Händen noch einmal richtig nachzufassen. Spätestens als sie mit den Füßen durch die eigenen bunten Spuren rutscht, scheinen sich einige kleine Besucher:innen ernsthaft inspiriert zu fühlen. Abgerundet wird das Erlebnis für die Sinne von der homogen abgestimmten Musik (Wiebe Gotink), die das Tempo der Performerin aufgreift.
Ein Festival für die Fantasie: BimBam
Der Fantasie freien Lauf lassen und Fünfe einfach mal gerade sein lassen? “Kleur+” macht es möglich und regt zum Träumen und Malen an. Hände, Füße, Kopf oder gleich der ganze Körper – alles ist möglich. Hin und wieder spielt die Performerin auch mit dem Publikum, das freudig den sprichwörtlichen Ball aufgreift.
Auch wenn “Kleur+” mit dieser Vorstellung am Toihaus abgespielt ist – das BimBam-Festival bietet noch eine weitere Woche Programm. Eine Chance, die gut genutzt werden sollte, schließlich findet das beliebte Festival nur alle zwei Jahre statt.
Fotonachweis: Ben van Duin // Dadodans
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