Der Fiskus_Erika Mayer

Der Fiskus – Schauspielhaus Salzburg

Und jährlich grüßt das Finanzamt

Zwischen Bürowahnsinn und dubiosen Cum-Ex-Machenschaften: »Der Fiskus« wirbelt in der Inszenierung von Verena Holztrattner am Schauspielhaus Salzburg ordentlich Staub auf und sorgt für kurzweilige Unterhaltung.

Haben Sie Ihre Steuererklärung für 2025 eigentlich schon erledigt? Falls nicht, liegt sie vermutlich seit Monaten wie ein Kloß im Magen, während irgendwo zwischen Schuhkartons und Ordnern noch immer Belege auf ihre Bestimmung warten. Für einen Motivationsschub könnte »Der Fiskus« sorgen. Verena Holztrattner inszenierte das spritzig-freche Kammerspiel von Felicia Zeller als knallbunte Finanzamtkomödie, die die heiligen Steuerhallen nach außen stülpt und ihr Innerstes auf dem Präsentierteller serviert (Dramaturgie: Alexander Kratzer).

Die Bühne als Laufsteg

Ausgangspunkt sind falsch eingereichte und schlampige Steuererklärungen, die die Herzen des Teams derart höherschlagen lassen, dass man sie stellenweise kurz vor der Klimax wähnt. Nebenbei ist die frisch beförderte Nele (Sophia Fischbacher) mit Dating beschäftigt und damit, Bea (Johanna Sophia Baader) in ihre Schranken zu weisen. Die Bühne wird dabei zum Fiskus-Laufsteg, auf dem die Karrierefrau nervös in lilafarbenem Kostüm auf und ab stöckelt. Kann es Zufall sein, dass Lila im Volksmund auch als Farbe der sexuellen Frustration gilt? Ganz in diesen Ton getaucht, erfüllt Nele jedes Klischee auf der Suche nach Mr. Money.

Die erfahrene Kollegin wiederum ist mysteriösen Cum-Ex-Papieren auf der Spur. Baaders Darstellung der engagierten, peniblen Finanzbeamtin ist großartig. Energiegeladen und mit spitzbübischem Augenzwinkern taucht sie voller Tatendrang und Stimmvolumen in ihre Fälle ab, nur um wenig später zerzaust wieder aus den Tiefen des Bühnenbodens hervorzukommen. Aufgegeben werden von Bea allerdings lediglich Briefe, vorzugsweise Gegenfragen an die Inhaber dubioser Papiere.

Anna Hübner und Wolfgang Kandler spielen das hauseigene Fiskus-Ehepaar, dessen höchstes Glück die gemeinsame Veranlagung ist. Die eine charmant überdreht in Pink, der andere auf Küsschengeben und Paragraphen spezialisiert. So putzig sieht Liebe in Zeiten des Fiskus aus. Dass dabei auch noch lustvoll gestöhnt wird, erscheint bei dermaßen viel ehelichen Paragraphenglück nur konsequent.

Ansteckende Spielfreude in »Der Fiskus«

Zur Abrundung dieser zuckerbösen Komödie wird der eine oder andere Popsong zweckentfremdet, und das auf höchst unterhaltsame Weise. ›I’m a Believer‹ von The Monkees dichtete Verena Holztrattner gleich ganz um in ›Wir san Steiazohla‹. Diese Spielfreude wirkt ansteckend. Das Ensemble ist ganz in seinem Element und liefert einen Hit nach dem anderen (Sounddesign: Valentin Danler). Währenddessen spuckt der leicht erhöht platzierte Kopierer fleißig Papier aus und wird zur Silent Office-Beatbox (Bühne & Kostüme: Selina Schweiger).

Zusätzlich unterstreichen diverse Accessoires die Charaktereigenschaften der Figuren. Elfi hüpft auf einem pinken Gesundheitsball über die Bühne, Reiner pflegt biedermeierlich seine Monstera deliciosa, Bea schiebt emsig ihr Schätzchen, den verschließbaren Aktenschrank, vor sich her, und Nele kann nicht ohne Handtasche. Gelungen sind auch die Finanzamt-Referenzen unterhalb der Laufsteg-Bühne. Aktenschubladen dienen als Stufen, Ordner als Bühnenelemente. Praktikabel und on point.

»Der Fiskus« ist ein Blick in eine Welt, die zum Schmunzeln anregt und die Frage aufwirft: Ja, ist es denn wirklich so beim Finanzamt? Vermutlich nicht. Aber irgendwie wäre es doch ganz schön, wenn doch. Ein bisschen »Barbie« eben, und ein wenig weniger Passierschein A38.

Fotonachweis: Erika Mayer // Schauspielhaus Salzburg

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