Taboo-la Rasa English Theatre Janna Ramos-Violante

Taboo-La Rasa – English Theatre

Schuld ist immer der Buchclub. Zumindest in »Taboo-La Rasa«, der frechen, temporeichen Coming-of-Middle-Age-Story des English Theatre.

Wer behauptet eigentlich, dass nur Männer eine Midlife-Crisis durchlaufen können? Paige, 42, stolpert mitten in ihre höchstpersönliche Misere. Ausgelöst durch einen Besuch im Buchclub. Wo die einen mit religiösem Ernst Literatur analysieren und die anderen sich mit ähnlichem Eifer dem Genuss von Alkohol hingeben, gerät Paiges Lebensbild plötzlich ins Wanken. Ist all das, was sie sich über die Jahre aufgebaut hat, in ausgetretene Bahnen geraten, ohne dass sie es bemerkt hätte? Und schon findet sie sich im schönsten Reigen aus neu entflammter Sexualität, Swinger-Ambitionen und manch pikantem Abenteuer wieder.

Temporeiche Solo-Performance aus dem Leben

Paige, das ist irgendwie auch Janna Ramos-Violante. Die Südafrikanerin präsentiert »Taboo-La Rasa« nicht nur in einer temporeichen Solo-Performance auf der Bühne, sondern ist auch der Kopf hinter der Figur. Die Idee für den Stoff stammt aus der Lebensphase, in der sie sich selbst gerade befindet, und aus den Gesprächen, die sie um sich herum wahrnimmt. »Mit zunehmendem Alter werden Beziehungen komplexer. Wir beginnen, größere Fragen über Liebe, Vertrauen und Glück zu stellen sowie darüber, ob das Leben, das wir führen, wirklich das ist, das wir wollen.«

Als Setting dienen Schauspielerin und Regisseur Tony Flack eine kleine Kellerbühne im Shakespeare Café in Salzburg. Der perfekte Rahmen für einen intimen Seelenstriptease, wie ihn Paige liefert. Janna Ramos-Violante verleiht ihrer Figur eine ganz eigene Verletzlichkeit, die mit fein nuancierter Komik einhergeht. Es ist ein Lachen, das viele Facetten kennt. Mal ist es von Peinlichkeit geprägt, mal von entwaffnender Ehrlichkeit oder Verzweiflung, aber immer kommt es von Herzen.

Figuren-Details

Der Figur wohnt etwas immanent Sympathisches inne. Eine latente Tollpatschigkeit, die sie zugleich anziehend macht. Paige, das sind du und ich, das ist die Freundin, die vermutlich jeder kennt. Die Frau, in der sich viele wiederfinden dürften. Schonungslos legt sie den Finger in die Wunde und nennt die Dinge beim Namen.

Zugleich agiert der Charakter als Matrjoschka. Eines ums andere Mal zieht ihre Schauspielerin eine weitere Figur aus dem Ärmel und sorgt mit eloquentem Spiel dafür, dass am Ende gefühlt ein halbes Ensemble auf der Bühne steht. Tut es physisch natürlich nicht, die Bandbreite ist aber vorhanden, und Ramos-Violante gebührt Respekt: für diese wunderbare schauspielerische Leistung und den tabulosen Coming-of-Middle-age Text.

 

Fotonachweis: Janna Ramos-Violante // English Theatre

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