Spamalot

Vorsicht, Killer-Kaninchen in der Kulisse.

Monty Python auf Deutsch, geht das überhaupt? – Diese und ähnliche Fragen stellen sich pünktlich zur Premiere von SPAMALOT. – Auf meiner Musical-die-ich-unbedingt-noch-sehen-möchte – Liste ganz oben rangiert der unvergleichliche Stoff aus der Feder von Eric Idle: SPAMALOT. Oder „Die Ritter der Kokosnuss“ vermusicalt. Herrlich amüsant und einer meiner absoluten mp3-Favoriten. Momentan residiert die Musical-Comedy in München. Eine Chance die ich mir naturgemäß nicht entgehen lassen konnte, wollte und durfte, auch wenn sie SPAMALOT in deutscher Sprache bedeutet.

Spamalot_Ritter_c_Christian_Knecht

Um fair zu bleiben, sei an dieser Stelle betont, dass SPAMALOT, diese unsinnige, irrwitzige und unglaublich komische Musical-Komödie, vermutlich ziemlich schwer zu übersetzen ist. Da erscheint es dann passend und mutet ziemlich britisch-ironisch an, dass just eine aktualisierte Schweizer Produktion (Hecht Theater Zürich) damit im Deutschen Theater in München gastiert. Relativ schnell wird im frisch sanierten Gemäuer deutlich, dass das Ensemble den britischen Humor bis zur Perfektion beherrscht. König Arthur (herrschaftlich verzagt und vokal voluminös – Erich Hättenschwiler) ist mit dem Schweizer (!) Söldner (!!) Patsy (Fabio Romano – fabelhaft unterhaltsam) auf der Suche nach… ja, nach was eigentlich? Das scheint den beiden auch nicht so ganz bewusst, aber ein Gefolge könnte für ihr Vorhaben nützlich sein. Während Patsy das Hinterteil des Pferdes mimt, reiten die beiden zum selbst evozierten Kokosnuss-Klang durch die Lande und werben um Ritter. Kaum komplettiert, ereilt sie auch bereits die Rüge des Herrn, ein bayrischer Kabarettist, sich doch endlich um den Heiligen Gral zu kümmern. Die tapferen (und nicht ganz so tapferen) Ritter, furchtlos nur in Bezug auf Langhaarperücken, verlieren sich aus den Augen. Sir Robin (Rolf Sommer) flüchtet panisch vor dem Schwarzen Ritter (Tino Andrea Honegger). Dahin seine eitle Courage, preisgegeben dem Spott der fahrenden Barden, die eben noch seine Heldentaten rühmten. Jetzt ergötzen sie sich mit mindestens genauso viel Hingabe am Spottgesang (ja, natürlich das Publikum auch). Der immer ein bisschen nach Schweiz tönende Sir Lancelot (T.A. Honegger) hingegen entdeckt dank Herbert (absolut humoresk R. Sommer) seine feminine Seite. Als großartiger französischer Spötter sorgt der gleiche Darsteller für Lachsalven. Die divaeske Fee vom See (stimmlich und schauspielerisch exzellent Sandra Studer) verdreht nicht nur Arthur den Kopf und auch der Rest des Ensembles erfreut. – Einzig die Übersetzung hakt an so mancher Stelle und gibt Anlass zur Mäkelei, wenngleich auf hohem Niveau. Das mag ein Nachteil der englischen Textbeherrschung sein; gleichzeitig entpuppt sich der Vergleich mit dem Original als relativ amüsant. Nur die eingedeutschte, aktualisierte Broadway-Adaption („You won’t succeed on Broadway“) nimmt die Verfasserin persönlich. Vom Original ist nur noch das Ton-Skelett vorhanden, das so emsig mit Helene Fischer, Andreas Gabalier usw. Anspielungen durchsetzt wurde, dass einem ganz Angst und Bange werden möchte. Umso mehr erfreut die Regiearbeit Dominik Flaschkas; die Killer-Kaninchen-Szene (♥♥♥) wurde einfach, aber großartig inszeniert. Überhaupt gefallen die dramaturgischen Kniffe und Kostüm- und Bühnenbildvisionen. So ein trojanischer Hase ist schon ziemlich praktisch und fliegende Kühe vermutlich die beste Verteidigung. Das putzt ganz ungemein, um es in die Worte eines Bendix Grünlichs (Thomas Mann „Die Buddenbrooks“) zu fassen.

„Always Look On The Bright Side Of Life“: Während stürmischer Ovationen stimmt ein völlig entfesseltes Publikum in den Gassenhauer (und dem einzigen Beitrag aus „Life of Brian“) ein. Ein wunderbares Kompliment an das gesamte Team.

Fotomaterial: (c) Christian Knecht, vasistas grafique // Deutsches Theater München

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