Le P'tit cirk

Le P’tit Cirk – Winterfest Salzburg

Kreativer Höhenflug: Mit „Les Dodos“ erobert die französische Kompanie Le P’tit Cirk das Winterfest in Salzburg. Souverän, frech und sehr lebendig.

Die Dodos sind zurück. Eigentlich längst ausgestorben, bevölkert die Vogelspezies, die nicht fliegen kann, neuerdings das Winterfest im Volksgarten und demonstriert sehr eindrücklich: Fliegen funktioniert auch ohne Flügel, man muss es nur wagen. Hätten das ihre tierischen Pendants gewusst, dann wären sie vielleicht nicht ausgestorben. Die französische Kompanie Le P’tit Cirk sorgt aber zumindest posthum dafür, dass die gefiederten Legenden quietschfidel und sehr lebendig in „Les Dodos“ die Manege erobern (künstlerische Leitung: Danielle Le Pierrès, Christophe Lelarge).

Turbulenter Reigen

Der Name ist Programm und „Les Dodos“ eine fröhlich freche Hommage an die Vögel, die erst durch Lewis Carrolls „Alice im Wunderland“ Bekanntheit erlangten. Genau wie im Roman veranstalten die bunten Akrobaten-Vögel von Le P’tit Cirk ein turbulentes Rennen. Bei dem kommen statt des unterschiedlichsten Federviehs umso mehr Gitarren zum Einsatz. Die Akrobat*innen begleiten sich dabei in abenteuerlich kreativer Manier selbst. Auf Gitarren balancierend feiern die Dodos ihren Einstand und beenden den Abend. Dazwischen lassen sie es so richtig krachen – selbstverständlich immer mit des Vogels liebsten Saiteninstruments, in dem auch eine Trompete stecken kann.

Für Slapstick sind Alice Baurraud und Charly Sanchez zuständig. Charlie Chaplin mässig unterhalten sie in Phantasie-Sprache und mit großen Gesten. Frecher Humor dominiert genauso wie die Überwindung der eigenen Ängste. Sind wir nicht alle ein bisschen Minions? Während Basile Forest, Louis Lelarge und Pablo Escobar akrobatisch in die Vollen gehen und dem Ganzen diese unglaubliche Vitalität und Lebendigkeit verleihen, immer unterstützt von Baurraud und Sanchez. Das scheint ansteckend. Wer spätestens jetzt nicht den Wunsch verspürt, sich selbst ins Geschehen zu werfen, dürfte herzlos sein – oder einfach nur realistisch. Weil was so einfach daherkommt, ist das genaue Gegenteil davon und lädt zum Staunen und Träumen ein. Die Zuschauer-„Ahhhhs“ und Publikums-„Ohhhs“ tönen durch das Zelt, wie es sich für einen Zirkusabend gebührt.

Große Träume mit Le P’tit Cirk

Die Dodos aus Frankreich verteidigen ihre Träume mit Zähnen und Klauen und noch mehr Musik. Geige, Kontrabass und Gitarre, so viele Variationen an Saiteninstrumenten, die zum Lebenselixier der legendären Federviehs werden. Zumindest für einen Abend sind sie zurück und beweisen dank fantasievoll pointenreicher Dramaturgie, dass die Lüfte allen offen stehen, auch jenen, die vermeintlich am Boden festsitzen. Denke groß, aber träume noch größer – nur das mit der Akrobatik sollte man dann vermutlich doch den Profis überlassen. Ansonsten geht mehr als nur eine Gitarre zu Bruch.

 

Fotonachweis: Magdalena Lepka

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