Comic Con in Linz

Welcome to the other world, Game of Thrones‘ Tom Wlaschiha ist auch schon dort. – Die Comic Con 2016 in Linz.

Es gibt für alles ein erstes Mal, auch für Comic Cons, fällt mir ein, als mich Freundin B. fragt, ob ich sie nach Linz begleite. Ich, die Science Fiction und Fantasy nur in sehr manierlich dosierten Portionen konsumiert? Na gut, genau genommen konzentriert sich mein Science Fiction-Faible einzig und alleine auf Dr. Who. Jeden neuen Doctor beäuge ich kritisch, während ich mit Star Wars immer noch nichts anzufangen weiß und Game of Thrones nur mit meinem halben – wenn nicht gar ganzen – Freundeskreis assoziiere, der dem fiktiven Erlebnis in Buch und Serie verfallen ist.

Aus genau diesem Grund birgt Freundin Bs Frage ein ironisches Moment. Ich komme trotzdem mit, immerhin bin ich neugierig und das Kennenlernen neuer Welten ist generell begrüßenswert. Ich hätte allerdings ihren detaillierten Ausführungen etwas mehr Aufmerksamkeit schenken sollen. Denn irgendwie schaffte ich es, ein wichtiges Faktum für die höherpreisige Kartenkategorie, das sogenannte „VIP-Package“, zu überhören. Es kam deshalb auch als kleiner Schock, dass die stolze Karten-Summe nicht nur einen Platz im Game of Thrones-Panel, sondern auch Autogramm und Foto mit Game of Thrones-Schauspieler Tom Wlaschiha inkludierte (in der Serie, wie Freundin B. mir vorausschauend mitteilte, Jaqen H’ghar; und ja, Freundin B. ist natürlich ein Game of Thrones Fan der ersten Stunde).

„Ich will aber gar kein Foto mit Tom Wlaschiha,“ texte ich panisch per SMS zurück, als Freundin B. mir gegenüber das kleine Extra zufällig fallenlässt. „Und Autogramm will ich schon gar keines,“ schiebe ich trotzig hinterher, da es mir absolut peinlich wäre, Foto und Autogramm gegen Bares zu erhalten. Noch dazu von jemanden, den ich weder von Bühne noch Serie kenne. Freundin B. sieht das Ganze pragmatischer, „das hättest du dir ja vorher überlegen sollen, bevor du die 79 Euro bezahlt hast.“ Und die würde ich doch nicht einfach so in den Wind knallen wollen, oder? Das stimmt, im Prinzip, denn ganz eigentlich wollte ich nur das gleiche Ticket wie sie, als ich mich zum Kauf verleiten ließ und dem Kleingedruckten keinerlei Beachtung schenkte. Dahin meine Seelenruhe, die Panik hatte von mir Besitz ergriffen. Dass dieses Gefühl sogar noch steigerbar ist, erfuhr ich kurz darauf, als Freundin B. mir rät: „du solltest dich übrigens noch ein bisschen über den Schauspieler informieren. Nur damit du Bescheid weißt, für alle Fälle und so.“ – ???? – Dazu fehlte mir allerdings eindeutig die Muse, deshalb erkundige ich mich lieber vorsichtig, ob es auch gelte, dass ich ihn schon irgendwann einmal in irgendeinem Frauenfilm gesehen habe? An der Reaktion von Freundin B. erkenne ich sofort, dass das die falsche Frage war. Jetzt reagiert sie panisch, „bist du wahnsinnig? Keinesfalls!!!!“ Um unserer Freundschaft willen beschließe ich deshalb in so einer potentiellen Gefahrensituation mit Schweigen zu reagieren. Auch wenn mir der Gedanken daran plötzlich ungemein reizvoll erscheint. Natürlich erwähne ich das nicht gegenüber Freundin B.

Die Comic Con entpuppt sich als mäßig organisiert (demotiviertes Garderobenpersonal und Ordner*innen – chaotische VIP-Package Vorteile), aber Freund*innen von Fantasie- und Comicwelten kommen auf den übersichtlichen Metern, die die Ausstellungshalle bedeuten und auf der sich bei Bedarf bunte Parallelwelten eröffnen, auf ihre Kosten. Die Veranstaltung durchschreitet man gemächlich, alle tun das. Schneller ginge auch gar nicht, da die hin- und herschwappenden Menschenmassen das verhindern.

Das lebhaften Treiben bietet so einiges; vor allem aber sehr viele Comic- und Cosplayers. Mit erstaunlich viel Aufwand und uneingeschränkter Präzisionsaffinität verwandelten sie sich in (meistens) sehr professionelle Abbilder ihrer Lieblingscharaktere aus ihren Lieblingsserien. Mit der Comic Con sind sie dafür an genau der richtigen Stelle gelandet; immer wieder werden die Comic- und Cosplayer angehalten und um Fotos gebeten. Ein kleiner vier- oder fünfjähriger Junge flippt völlig aus, als er Hulk neben sich entdeckt. „Da ist Hulk, DAA IIIIST HUUUUUULK“ schreit er ekstatisch hopsend seinem langsam herbeieilenden (die Menschenmassen halten auf) Vater entgegen, ehe der noch die Chance hat, seine Kamera zu zücken. Als ihm das schließlich gelingt, wirft sich der Kleine bereits mit stolz geschwellter Brust in leicht verschrobene Hulk-Posen. Allerliebst.

Irgendwann kommt unsere Stunde und damit das Game of Thrones-Panel. Mental habe ich mich mit Eiscreme und einer Kombi aus Trotz-Unwissen-&Schusseligkeit gewappnet. Vermutlich bin ich die unvorbereitetste Person im ganzen Panel. (Was heißt hier vermutlich…!).
Vorne auf der Bühne stellt sich Tom Wlaschiha einer ziemlich großen Menge an versierten Game of Thrones-Fans und eingefleischten Serien-Junkies. Ich bewundere insgeheim seine Courage, besonders nachdem er gesteht, keinen der Romane gelesen zu haben. Groß darüber meine eigene Freude; ich bin nicht länger die Einzige im Saal. Hier und jetzt entflamme ich doch noch für das Panel, das der Game of Thrones-usw.-Schauspieler mit intelligenten Antworten und ironischen Einwürfen bereichert. Eigentlich hätte das Panel gerade deshalb ruhig noch ein wenig länger andauern können, so Freundin B. Ich stimme ihr zu. Tat es nur leider aber nicht. Stattdessen müssen wir uns in das Chaos der Autogramm/Foto-Mission stürzen. Disorganisation prägt auch diesen Programmschwerpunkt und führt dazu, dass wir in viel zu engen Körperkontakt mit wildfremden Menschen geraten.  Da bezahlt aber bezahlt ist, halte ich durch. Und lande plötzlich vor dem Tisch der meistgefragtesten Person dieser Stunde, der mit einem Mal viel zu groß und erschreckend leer erscheint (der Tisch natürlich, nicht die Person). Ich: „Hallo!“. Er: „Hallo!“. (Läuft ja schon ganz gut soweit…). Stolz präsentiere ich zwei Autogrammmöglichkeiten, recht viel mehr habe ich auch nicht. Es sind geschickt kreierte Notlösungen, einem Brainstorming mit Freundin B. in der Menschenmeute wenige Minuten davor entsprungen. Nur um wegen meiner Unentschlossenheit und der meines Gegenübers („ich unterschreibe alles, mir ist das egal“), eine dritte Variante offeriert zu bekommen. Ordnerin mit Blick auf das güldene Einlass-Bändchen am Armgelenk, das langsam aber sicher Farbe lässt: „du hast ja das Package bezahlt, du kannst dir auch ein Foto aus dem Stapel aussuchen.“ Ich winde mich innerlich. Jetzt werde ich auch noch öffentlich an das hochpreisige Package erinnert und daran, dass es hier Leistungen zu erwerben gibt… Panisch wähle ich aus und um meine Scham zu vertuschen, reagiere gespielt indigniert, was die Konsonanten-Schreibweise meines Namen anbelangt („natürlich mit k!“), was mein Gegenüber zu erheitern scheint. Dadurch gerate ich in einen Flow und werde wagemutig. Ich nehme die Foto-Option doch noch in Anspruch. Es kennt mich hier ja ohnedies niemand, meine durchaus logische Schlussfolgerung, während ich vor einem Haufen fremder Menschen mit einem genauso fremden, aber  gut aussehenden, Schauspieler in die Kamera lächle. (Es gibt wahrlich Schlimmeres, das ist richtig erkannt). Tatsächlich scheint mein Geld mit einem Mal doch ganz passabel investiert. Spätestens als ich die Geronimo! – tote bag am Dr. Who-Stand entdecke, bin ich mir da sogar ziemlich sicher. 😉

 

Fotonachweis: Comic Con Linz & Plot a Story

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