Die Schwarze Witwe

Die Schwarze Witwe – La Femme finale | kleines theater

Female Empowerment der etwas anderen Art mit der Uraufführung von Anna Burzynskas dunkler Komödie DIE SCHWARZE WITWE – LA FEMME FINALE am kleines theater.

Eigentlich wäre alles so einfach. Letzte Worte sprechen, Kopf durch die Lasche stecken und dann mit einem finalen Sprung aushauchen, was man gemeinhin so Leben nennt. Aber selbst am Tod scheitert der ewige Pechvogel, der sich nachts als Portier verdingt. Das liegt in diesem Fall konkret an der Frau, die just bei dem zweitwichtigsten Event des Lebens in sein Büro stolpert und den Strick zum Reißen bringt. Danach befindet sich der Pechvogel im freien Fall, landet aber recht unsanft auf dem Boden und steht einer selbst ernannten Femme finale gegenüber, die kein Mann länger als ein paar Stunden überdauert. Das würde die ewig Trauernde gerne ändern. Ihre Milchmädchenrechnung: Minus und Minus ergibt Plus. Warum sollten die beiden größten Unglücksraben der Stadt also nicht gemeinsame Sache machen und dem Schicksal ein Schnippchen schlagen?DIE SCHWARZE WITWE - LA FEMME FINALE | (c) Christian Treweller

Temporeicher Kriminaltango

Vermutlich ist es nicht zufällig, dass die Protagonisten in Anna Burzynskas Komödie ohne Namen auftreten. Das macht das Schicksal der beiden vielseitig verortbar. Susanna Szameit inszenierte DIE SCHWARZE WITWE – LA FEMME FATALE als temporeiche und tiefschwarze Krimikomödie, die von der Ambivalenz ihrer Charaktere lebt. Tatsächlich zeigen sich die Figuren erstaunlich wandelbar. Festlegen lässt sich hier niemand. Jurek Milewski gibt den depressiven, pedantischen Eigenbrötler, dem nicht einmal der Suizid gelingen will.

Dabei setzt Milewski vor allem auf Slapstick. Immer wieder stolpert sein Charakter gegen Gegenstände, fällt eindrucksvoll rückwärts von Stühlen oder vollzieht andere akrobatisch angehauchte Manöver, dass einer schon vom Zusehen ganz schwindlig werden möchte. Ja, das mit dem Pech funktioniert einwandfrei und kommt selbst dann noch kinderleicht daher, als die Figur mit doppelter Kleidungslage über die Bühne sprintet. Schließlich hat es jetzt tatsächlich jemand auf sein Leben abgesehen und nein, das ist zur Ausnahme nicht der Pechvogel selbst.

Die Schwarze Witwe in Aktion: Schwarzes Female Empowerment

Ein Krimi mit nur einem Darsteller funktioniert denkbar schwer. DIE SCHWARZE WITWE - LA FEMME FINALE | (c) Christian TrewellerJudith Brandstätter komplettiert  als Schwarze Witwe das überschaubare Ensemble. Gleichzeitig macht ihre Figur Radau für mindestens fünf weitere. Warum also in die Ferne schweifen? In Sachen Ambivalenz kann die Frau in Schwarz dem Unglücksraben jederzeit das Wasser reichen. Sie verschleiert ihre Intentionen so geschickt, dass es schwer fällt, hier noch den Überblick zu wahren. Muss man aber auch gar nicht. Das Stück entdröselt sich schließlich ganz von selbst – und überrascht mit, nun ja, überraschendem Ende.

Frauenpower vor. Die Spice Girls sind sooo Neunziger Jahre. Jetzt räumt die FEMME FINALE das Feld von hinten auf und zeigt eindrücklich, von wegen schwaches Geschlecht. Dafür setzt die Inszenierung zwar auf mitunter bereits in die Jahre gekommene Klischees und entbehrliche Sexismen, gleichzeitig amüsieren die despektierlichen Äußerungen von ihr und das angestrengte Nachdenken von ihm. Wenn der Groschen dann sehr verspätet doch noch fällt, freut das das Publikum – und die Schwarze Witwe. Obendrauf gibt es dann auch noch ein klein wenig Medienkritik, weil, alles zu glauben, was in Google steht, kann bisweilen fatal sein, so wie in Femme fatal(e).

 

Fotonachweis: Christian Treweller

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