"Konstellationen" J. Brandstätter © Christian Trewellner

„Wenn ich etwas nicht ändern kann, dann schadet es ja nichts, das Beste daraus zu machen.“

Im Fokus: Schauspielerin Judith Brandstätter

Humor als Mittel gegen Eh-fast-Alles. Schauspielerin Judith Brandstätter nützt die Corona bedingte Auszeit und sieht das Leben gewohnt optimistisch. Endlich Zeit zum Lesen, ganz ohne schlechtes Gewissen.

Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Dieses Bonmot kann auch Judith Brandstätter unterschreiben. Die Schauspielerin ist in der freien Szene ein echter Tausendsasa und in gefühlt hundert Produktionen gleichzeitig involviert. Trotzdem liegt der letzte Auftritt bereits ein Weilchen zurück. „Am 1. März stand ich im kleines theater Salzburg in Peter Blaikners Politsatire MITTERBACHKIRCHEN zum letzten Mal auf der Bühne. Wir wären ausverkauft gewesen, aber es wurde auf 90 Plätze beschränkt, damit der Abstand gewahrt bleiben konnte.“ Covid19 war damit auch in Österreich und der Salzburger Kulturszene angekommen.

"Oh Gott, warum gerade ich?" mit J. Milewski, W. Kandler, J. Brandstätter & S. Zobel © Sigrid Riepl
„Oh Gott, warum gerade ich?“ mit J. Milewski, W. Kandler, J. Brandstätter & S. Zobel © Sigrid Riepl

„Zuerst fühlte es sich an, wie im vollen Lauf abgebremst zu werden. Ich hatte gerade eine besonders intensive und feine Arbeitsphase und bin zwischen den Aufführungen von KONSTELLATIONEN in Neu-Ulm, GLÜCK in der ARGEkultur, TATORT STIEGL-BRAUWELT, MITTERBACHKIRCHEN und den Proben zu OH GOTT, WARUM GERADE ICH? im kleines theater hin und her gependelt beziehungsweise gesprungen.“

An Theaterentzug laboriert die fröhliche Schauspielerin trotzdem nicht. „Nein, nein noch geht es. Ein paar Wochen halte ich schon auch ohne Theater durch“, fügt sie schmunzelnd hinzu. Genug Theater-Reserven besitzt Judith Brandstätter schließlich auch, von denen sie zerren kann. „Schon im Kindergarten nutzte ich jede Chance für einen Auftritt und habe nichts lieber gemacht, als mich zu verkleiden und in andere Rollen zu schlüpfen.“

Ankunft freie Szene

Irgendwann wurde sie dann zu einem Vorsprechen beim SalzburgerTourneeTheater eingeladen und ins Ensemble aufgenommen. „Das war herrlich – wir waren eine bunter Haufen SchauspielerInnen, MusikerInnen & RegisseurInnen und haben den ganzen bayrischen Raum unsicher gemacht. Debütiert habe ich mit Nestroys FRÜHE VERHÄLTNISSE als Pepi Amsel. Ich war so nervös, dass ich Familie und Freunde beschworen habe nur ja nicht zu kommen. In der ersten Reihe sind dann trotzdem zwei Freundinnen von mir gesessen und haben mich angestrahlt. Dieses Bild werde ich nie vergessen.“

"Lederfresse" mit J. Brandstätter © SalzburgerTourneeTheater
„Lederfresse“ mit J. Brandstätter © SalzburgerTourneeTheater

„Irgendwann haben wir uns dann auch nach Salzburg „getraut“ und an der ARGEkultur unsere erste Theaterheimat gefunden. In der Regie von Gerard ES haben wir dann z.B. MR. PILKS IRRENHAUS gespielt, die LEDERFRESSE und MARIA STUARDA. Diese Produktion hat Lutz Hochstraate dann für die Kammerspiele ans Salzburger Landestheater geholt. Ich glaube mit den VAGINA MONOLOGEN von Eve Ensler ist das SalzburgerTourneeTheater dann endgültig in Salzburg angekommen.“

Humor als Lösung

Auch wenn sie aktuell auf die Bühne verzichten muss, Judith Brandstätter nimmt es gelassen. „Humor ist mein Rezept für fast alles und ein wenig gesunder Fatalismus. Wenn ich etwas nicht ändern kann, dann schadet es ja nichts, das Beste daraus zu machen. Bei allem Respekt für Menschen, die es jetzt viel schwerer haben.“ Gleichzeitig hofft die Schauspielerin, dass die Situation zum Umdenken anregt und auch das Danach beeinflussen wird. „Es soll bitte nicht nur beim Klatschen für die aktuellen HeldInnen bleiben.“

"Brückenschlag" mit J. Brandstätter & G. Schall © SalzburgerTourneeTheater
„Brückenschlag“ mit J. Brandstätter & G. Schall © SalzburgerTourneeTheater

Für Ablenkung ist gesorgt, auch dank Netflix. „Wenn ich eine gute Serie erwische… dann kann ich schon sehr laaange abtauchen. Noch lieber verliere ich mich allerdings in Büchern. Die verschlinge ich geradezu und koste es jetzt voll aus, dass ich keine Texte lernen muss. Da bleibt mehr Zeit zum Lesen.“

Ein Brückenschlag von Oh Gott, zum Tatort bis nach Mitterbachkirchen

Auch wenn aktuell die Häuser ihre Tore geschlossen halten müssen, Judith Brandstätter wirft lachend Richtung Publikum ein, „Bitte wartet auf uns, wir kommen wieder!“. So soll beispielsweise auch die Premiere von OH GOTT, WARUM GERADE ICH? nachgeholt werden, die für den 17. März anberaumt war. Das kleines theater arbeite mit Hochdruck daran und sei sehr unterstützend. Gar kein so leichtes Unterfangen, schließlich kommen alle Mitwirkenden aus der freien Szene und haben dementsprechend volle Terminkalender.

Auch MITTERBACHKIRCHEN und der TATORT STIEGL-BRAUWELT der Theater Dinner Company seien post Corona bereits fix eingeplant. „Wir spielen unsere Comedy Dinner Krimi zwar schon seit über 13 Jahren, aber da so ein hoher Improvisations-Stehgreiftheater Anteil dabei ist, ist jede Vorstellung wie eine Premiere.“ Nicht zu vergessen, BRÜCKENSCHLAG & BRÜCKENSCHLAG. Schreiben kann die Schauspielerin nämlich auch noch und verfasste gemeinsam mit Kollegin Gaby Schall ein eigenes Stück. Tja, wenn’s läuft, dann läuft’s, auch post Corona.

 

Fotonachweis: siehe Bildunterschriften

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