Christiane Warnecke

„Küsse mit Mundnasenschutz sind nicht ganz das Gelbe vom Ei. Bei Monologen hapert es dann an der Verständlichkeit durch Maulkorb.“

Vorgestellt: „Romantics are the new rebels!“ – Schauspielerin Christiane Warnecke

Frühling 2020 ist… Gitarre entstauben, Hefeteig perfektionieren und joggend Meter im menschenleeren Salzburg machen. Für Christiane Warnecke steckt das Leben voller Abenteuer.

Vor fast neun Wochen stand Christiane Warnecke mit VERGISS NIE, DASS ICH DICH LIEBE zuletzt auf der Bühne. Ein Liederabend am Off Theater mit Edith Piaf und Marlene Dietrich. „Zumindest bin ich mit guten Ohrwürmern und einem Kuss von Anja (Clementi) fürs Erste von der Bühne abgetreten – hätte mich schlimmer treffen können“, subsumiert die Schauspielerin fröhlich, die als Marlene Dietrich firmierte. „Als Corona dann begann, seinen Arm über Medien und Leben auszustrecken, war ich gerade in Deutschland. Hab gehofft, dass ich noch über die Grenze komme. Und am Tag drauf hätten wir OBERSALZBERG gespielt. Ich hab’s über die Grenze geschafft, aber nicht mehr auf die Terrasse des Berghofs – wir haben dann aus Vorsicht abgesagt.“

Ch. Warnecke als Marlene Dietrich in VERGISS NIE, DASS ICH DICH LIEBE © OFFtheater Salzburg

Apropos, ABGESAGT wird immer noch, so die Schauspielerin, die ebenfalls Teil des etwas anderen Festivals ist. Künstler, die nicht auftreten, ein Publikum, das eben nicht erscheint und ganz nebenbei wird die heimische Szene unterstützt: www.abgesagt.at.

„Mir war klar, dass Theater vorerst Geschichte ist – es kommt nicht ohne Menschen und ohne Nähe, Kontakt aus. Es lebt von dem Miteinander und der Unmittelbarkeit, und das war erst mal ausgesetzt. Gehofft hatte ich schon für Mai/Juni … aber auch das bleibt noch abzuwarten.“ Wie der Großteil von allen Künstler*innen sei auch Christiane Warnecke ein Bühnentier. „Und es fehlt mir. Diese verrückte fordernde Welt, der Geruch, das Make-up, das Geplänkel mit den Kollegen, der Hall der Wörter im Raum, das Rauschen des Publikums, die Macht des unmittelbaren Moments. Ja, hat für mich immer noch was Magisches. Und alles Magische ist anziehend. Aber ich bin nicht eine von denen, die ohne die Arbeit nicht atmen können. Ich hab ein Privatleben und das genieße ich sehr. Alltag – behaftetes Wort. Idealerweise nicht fest im Griff, sondern Hand in Hand und die Welt zu Füßen. Nicht immer ein Kinderspiel, aber immer was drin.“

Keep on writing

Dass Christiane Warnecke Schauspielerin werden würde, stand das eigentlich seit jeher fest? „Meine Geschwister zumindest müssen es vor mir gewusst haben, denn ich habe immer irgendwelche Kostüme angeschleppt und Spiele vorgeschlagen, wenn ich nicht gerade Bücher gegessen habe. Außerdem kam der Wunsch immer wieder hoch und hat sich schließlich durchgesetzt gegen die anderen Optionen, die ich aber bis heute auch noch sehr interessant finde: Journalismus, Literatur, Archäologie und Restauration. Aber gut, das hat irgendwie auch alles mit Theater/ Schauspiel zu tun. Geschichten aus Wörtern, Welten erschaffen, ausgraben, entstauben, neu zusammensetzen, Altes in die Gegenwart, zum Glänzen bringen…“.

Die Stadt kommt zu Atem und Christiane Warnecke zum perfekten Hefeteig

Salzburg stand eigentlich nicht auf dem Plan der Schauspielerin und hier ist schon die nächste Analogie zur Literatur, mit der sie fest verbunden scheint. Fast wie Grimms berühmtes Geschwisterpaar kam auch sie vom Weg ab, minus der Hexe oder dem Lappen des Tapferen Schneiderleins: „Zwei Fliegen mit einer Klappe und klassisch: Vorsprechen. Eigentlich wollte ich Richtung Meer – Nordlicht-Sehnsucht … aber es kommt selten so wie geplant“, erzählt Christiane Warnecke und schlussfolgert, „meistens ist das auch gut so. Zumindest spannend.“

Christiane Warnecke
© Christiane Warnecke

Vielleicht ist es auch diese Einstellung, die dazu führte, dass die Mimin die aktuelle Zeit relativ locker sieht. „Ich hab meine Gitarre entstaubt und den Hefeteig perfektioniert. Aber das war’s dann auch mit „fast schon Klischee-Erfüllung“ in der Quarantänezeit. Ich kann ganz gut mit mir alleine sein und bin ein Mensch, dem eigentlich nie fad wird. Mir fällt immer etwas ein. Und dann gibt’s in meinem Leben zum Glück gute Freunde – manche davon mit Garten. Da hab ich mich gern eingeladen. Und was ich tatsächlich sehr genossen habe, waren Joggingrunden durch die sehr leere, fast verschlafene Altstadt. Das Gefühl, dass Salzburg bissi zu Atem kommt, während man selber über die Plätze keucht. Und die eigene Stadt Platz für einen selber hat. Wann gelingt das schon im Frühjahr?“

Auf der anderen Seite fehle der Schauspielerin aktuell tatsächlich Nähe. „Umarmungen, Schulter an Schulter sitzen, sich darauf klopfen. Und die Möglichkeit zu reisen. Frei zu sein, sich die Welt anzugucken, zu sein wo man will, sich bewegen zu können, unabhängig, also grenzenlos … und zu wissen, dass es Menschen gibt, die einen auffangen, wo man sicher ist, in welcher Art Beziehung auch immer. Und ja, das meine ich auch physisch – gerade jetzt merkt man da diese unsichtbaren Mauern, die die Einschränkungen und Verbote diktieren. Diese Mischung aus Freiheit und Sicherheit, die selbstverständlich sein sollte und sich auch oft so anfühlt – und doch so ein Luxus ist. Was ich nicht vermisse? Ganz ehrlich? Die Touristen. Den ewigen Stau. Und ich genieße die freien Abende – sind am Theater ja nicht allzu oft gegeben.“

Küsse mit Mundnasenschutz und Abzüge in der sprachlichen B-Note dank Maulkorb

Christiane Warnecke
© CS Fotografie

Post-Corona wird Christiane Warnecke vermutlich mit DER GROSSE GATSBY am Schauspielhaus Salzburg zuerst auf der Bühne stehen, „und vielleicht doch nochmal OBERSALZBERG“, wirft die Schauspielerin ein. Die Rückkehr in die Normalität läuft bereits: „Proben dürften wir „Professionellen“ ja ab Mitte Mai/ Anfang Juni. Unter den derzeitigen Auflagen ist es ja nicht wirklich machbar. Küsse mit Mundnasenschutz sind nicht ganz das Gelbe vom Ei. Bei Monologen hapert es dann an der Verständlichkeit durch Maulkorb. Und der verordnete Abstand von mindestens einem Meter ist auf Dauer auch nicht unterhaltsam. Wenn sich dahingehend noch was ändert, dann ja, Juni vielleicht. Sonst wäre Anfang August durchstarten geplant. Hoffentlich mit voller Kraft.“

Gilt es jetzt also nur noch die Zeit bis dahin zu überbrücken. Auch wenn sie sich selbst nicht so als „Heldin mit Plänen“ bezeichnet und nicht unbedingt „super spontan“ sei, „der Weg der Mitte, also jeden Tag oder, wie du fragst, jede Woche zu leben, wie sie kommt, finde ich eigentlich eine ganz gute Vorgehensweise. So ein paar Ankerpunkte und schöne Aussichten entlang des Pfades sind allerdings hilfreich, ganz so ziellos ins Leere Laufen ist auch nichts für mich. Zu wissen, dass es nach dem Sommer weitergehen wird, hat etwas Gutes. Und zu wissen, dass der Sommer wartet und trotz Corona und dem ganzen Zeug stattfinden wird, fühlt sich ebenfalls gut an. Und irgendwas werde ich schon fabrizieren oder die Zeit zumindest gut für mich nutzen. Platz nach oben gibt’s immer – liegt ja auch eine Motivation drin. Und unverhofft kommt oft.“

Christiane Warnecke © Bernhard Brus
© Bernhard Brus

„Wird schon gut werden“

Mit der Aufhebung der Ausgangsbeschränkungen habe sich für die Schauspielerin nicht sehr viel geändert. „Arbeit Fragezeichen, Abstand Ausrufezeichen, Freunde Punkt, Sonne Punkt, Kreativität Punkt. Zukunft Punkt Punkt Komma Strich – ein Smiley. Wird schon gut werden. Um Punkt Mitternacht irgendwas stürmen, finde ich allerdings gut. Da warte ich aber, bis meine Leute dabei sein können.“

Kaffee? Unbedingt!
Musik? Laut!
Bücher? Hell yeah!
Liebe? Romantics are the new rebels!
Mahna mahna? Ba dee bedebe!

 

Fotonachweis: siehe Bildunterschriften

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