Bina Blumencron

„Allmählich bekommen wir mehr Besuch. Das ist nett.“

#Frühjahr2020: Bina Blumencron war dabei

Eigentlich wollte sie Opernsängerin werden, aber erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Inzwischen ist Bina Blumencron Schauspielerin, Sängerin und in Salzburgs Kulturszene so bekannt wie ein bunter Hund. Ein ziemlich fröhlicher.

Der Babyelefant geht um – zumindest in Österreich, wo der Vierbeiner neuerdings als, nun ja, Eselsbrücke für den idealen Abstand herhalten darf. Woher er stammt, weiß niemand so genau, prinzipiell steht Bina Blumencron dem Dickhäuter und seinen Artgenossen aber positiv gegenüber. „Ach, ich mag Babyelefanten“, erklärt die Salzburger Schauspielerin. „Ich habe vor circa zwanzig Jahren auf einer State-Fair in Kalifornien gearbeitet. Das ist so ein riesiger Jahrmarkt. Ich hab da in einem Wohnwagen gewohnt und jeden morgen haben sie direkt neben mir am Waschplatz die kleinen Babyelefanten gewaschen. Das war nett.“ Prinzipiell sei ihr das Thema aber „ziemlich wurscht“. Etwas anders sehe das mit der Systemrelevanz aus. „Da werd ich grantig, irgendwie ist doch jeder systemrelevant. Was für ein deppertes Wort. Da hätten sie sich etwas Humorvolleres einfallen lassen können.“

TINDER - A FUCKED UP NIGHT: B. Blumencron
© Schauspielhaus Salzburg | David Haunschmidt

Landluft

Die ersten Maßnahmen haben dann auch tatsächlich alle betroffen, Systemrelevanz hin oder her. „Wir hatten gerade Proben für Videoaufnahmen, die fürs Freilichtmuseum gemacht werden sollten. Ich dachte nicht, dass dann wirklich alles flachfällt. Außerdem hätten bald die Proben für eines der Jugendprojekte der Salzburger Festspiele beginnen sollen mit Premiere Ende April. Die Wiederaufnahme Premiere von TINDER – A FUCKED UP NIGHT ist auch ausgefallen“, zieht die Schauspielerin Resümee.

Da sie selbst am Land lebe, habe sie den Stillstand anfangs kaum mitbekommen – genauso wenig wie Wochen später die ersten Lockerungen. Aber, so die Schauspielerin, „allmählich bekommen wir mehr Besuch. Das ist nett.“ Nett war auch die Phase dazwischen. „Ich muss gestehen, dass die unerwartete (Frei-)zeit zuhause sehr willkommen war. Ich habe ein zweijähriges Kind, das 100 Prozent meiner Energie beansprucht. Mich hat das Ganze in einer Phase getroffen, in der ich schon so ausgebrannt war, dass ich teilweise gar nicht mehr wusste, wie ich meine Augen auf der Bühne offen halten sollte. Aber ich darf nicht zu laut jammern. Ich habe das Glück fast immer gut gebucht zu sein, ob als Schauspielerin oder als Sängerin, das gleicht sich gut aus. Wäre ich ausschließlich selbstständige Künstlerin oder hätte gar Angestellte, hätte ich wahrscheinlich schlaflose Nächte. Die habe ich zwar auch so seit zwei Jahren, aber aus definitiv angenehmeren Gründen.“

Theater Ecce Betrogene Betrüger Bina Blumencron
B. Blumencron in BETROGENE BETRÜGER, Theater ECCE © Andreas Hauch

#Frühjahr2020

Es sind sowieso die täglichen Freuden des Alltags, die zählen. „Mit kleinem Kind bin ich stolz, wenn ich es schaffe mir die Haare mit Shampoo UND Balsam zu waschen“, erklärt Bina Blumencron mit Nachdruck. Eben jenes darf sich neuerdings auch über eine eigene Kaffeemaschine freuen. „Die alte ging eine Woche nach dem Stillstand ein… und das BITTE obwohl ich sie vorher richten habe lassen. Jetzt steht die alte Maschine in der Spielküche und mein Sohn kann sich seinen imaginären Espresso runterlassen.“ Die neue Kaffeemaschine wiederum werde sie vermutlich für immer mit dieser latent schrägen Phase verbinden, die Frühjahr 2020 war.

A walk down memory-lane

Es war eine Kombination aus Kleinigkeiten, die sie zur Bühne brachte, sagt Bina Blumen und verrät: „Grundsätzlich wollte ich immer Opernsängerin werden, aber ich hab‘ nicht wirklich kapiert, was man alles können muss, um an ein Konservatorium zu kommen. (Zwanzig Jahre später hätte ich es gewusst, zu spät!) Ich habe dann testweise die Aufnahmeprüfung für Schauspiel gemacht, um zu sehen, wie das ist vor ein paar Leuten mein Können zu beweisen, außerdem musste man bloß drei Monologe vorbereiten. Damals wurde ich gleich an der Elisabethbühne genommen und habe bemerkt, dass das eh viel klasser ist. Da konnte man weiter saufen und rauchen. Ein Scherz! Natürlich!“

(c) Dominik Riedel
© Dominik Riedel

Gleichzeitig steckt in der Schauspielerin auch immer noch die Sängerin, was nicht nur am finanziellen Faktor liegt, da der alleinige Lohn als Schauspielerin schon etwas bescheiden sei. Für Corona hat sie gemeinsam mit der Bluespension einen Song aufgenommen. „ES GEHT VUABEI ist gar nicht auf meinem Mist gewachsen, aber ich habe gerne meine Stimme dafür hergeborgt. Ich denke, dass Humor generell der beste Weg ist. Egal in welchen Lebenslagen. Ich hätte nie gedacht, dass ich jemals über Klopapier-Witze lachen werde.“

Bühne frei!

Gerade herrscht Aufbruchstimmung und auch für Bina Blumencron geht es bald wieder los. Im Juni um genau zu sein. „Wenn die Situation so bleibt, geht’s ab da weiter. An den Mundschutz hab ich mich schon gewöhnt,“ so die Schauspielerin, „der ist mir egal. Eventuell ist es eigenartig, wenn das ganze Publikum Mundschutz trägt. Angenehmer Nebeneffekt wird sein, dass Leute mit Husten zuhause bleiben werden. Das stört wirklich, wenn eine Vorstellung durchgehustet wird.“ Na, bis August hat das potentielle Publikum noch Schonfrist, um etwaige Erkältungen auszukurieren. Dann aber soll Bina Blumencron mit Neil LaButes FETTES SCHWEIN in der Regie von Ben Pascal im Zuge des Volxsommers im Nexus/Saalfelden für das Theater Ecce erstmals wieder auf der Bühne stehen. Und vielleicht könne man ja auch etwas Positives aus der aktuellen Situation mitnehmen. „…. etwas Bescheidenheit, Aufmerksamkeit und wenn man krank ist, daheim bleiben können. 😀 Das hat man sich bisher nie gegönnt, weil man ja unverzichtbar ist. Haha.“

 

Fotonachweis: siehe Bildunterschriften

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