„Das will ich auch machen, ich will jeden Tag im Theater sein.“

Von Salzburg nach Konstanz: Kristina Kahlert

Auch wenn sie in der Phase der Ausgangsbeschränkungen der Gilde der Hobbybäcker*innen beitrat, „Mehl und Hefe habe ich nie gehamstert!!!“, erklärt Kristina Kahlert – und erzählt von den Herausforderungen des Engagement-Wechsels in Zeiten von Corona & Co.

Mit Salzburg verbindet Schauspielerin Kristina Kahlert vor allem Musik. „Die Stadt brummt und lebt, sei es durch die Touristenströme, die Domglocken, Straßenmusiker, offene Fenster von Probenräumen – selbst die Stille nachts in der Altstadt wirkt wie komponiert.“ Genauso wie Kristina Kahlert in den letzten acht Jahren die Stadt liebgewonnen hat, verbinden auch viele Salzburger das Schauspielhaus mit der jungen Schauspielerin, die seit 2012 dort tätig war. Zuerst als Schülerin, dann als erfolgreiche Absolventin, die dem Haus ihren Stempel aufdrückte.

Kristina Kahlert © Henrik Pfeifer
Kristina Kahlert © Henrik Pfeifer

Besonderes Panorama

Mit der kommenden Spielzeit ändert sich so einiges, zum Beispiel wechselt Kristina Kahlert von Salzburg nach Konstanz. „Mein erstes Stück wird Oscar Wildes DER IDEALE MANN in der deutschen Fassung von Elfriede Jelinek sein“, erzählt die Schauspielerin.

Der Bodensee ist zwar schön, aber, Hand aufs Herz, was wird ihr besonders fehlen? „Das Stadtbild“, ist sich Kristina Kahlert sicher. „Egal wo ich bin: Auf dem Mönchsberg, in der Altstadt, am Kapuzinerberg, an der Salzach, überall gibt es Plätze, von denen man auf die Stadt schaut und sich bewusst wird, wie schön es hier eigentlich ist. Natürlich werden mir auch die Berge fehlen und meine Trainingsstrecke fürs Rennrad.“ Nicht vermissen wird Kahlert hingegen den warmen Föhnwind im Winter, „wobei ich nicht weiß, ob es den nicht auch am Bodensee gibt“, schmunzelt sie. Und dann sind da selbstverständlich auch noch die Kollegen*innen und alle anderen am Theater, „aber ich hoffe, ich kann oft zu Besuch kommen“.

K. Kahlert | jedermann (stirbt) © Jan Friese

Wanted: Neue Tagesstruktur

Corona erwischte Kristina Kahlert wie die meisten, sehr plötzlich. „Damals war Grippezeit, weshalb die ersten Vorstellungen Anfang/Mitte März sowieso wegen Krankheit im Ensemble ausfielen. Dann rückte Corona täglich näher. Neue Beschlüsse wurden veröffentlicht, auch als das Versammlungsverbot aufkam, hatte ich tatsächlich noch nicht im Kopf, dass sich das so ausweiten und so lange andauern könnte. Die ersten paar Tage ging ich immer noch davon aus, dass die Proben einfach um eine Woche oder zehn Tage verschoben werden. Als man dann die Bilder aus Italien sah und die Infektionszahlen in Österreich täglich anstiegen, war klar, dass es länger dauert.“

„Es war ein ziemlich krasser Einschnitt, gerade auch mit den Ausgangsbeschränkungen und von heute auf morgen niemanden mehr zu treffen. Wir sind aufgrund unseres Berufs ja täglich mit Leuten umgeben. Morgens sind wir mit den Kollegen bei der Probe, abends ebenfalls oder im Theater bei den Vorstellungen. Von den vielen sozialen Kontakten in so kurzer Zeit in die Isolation, da muss man sich erstmal eine neue Tagesstruktur schaffen.“

Kristina Kahlert goes Salzburg

Kristina Kahlert Schauspielhaus Salzburg
Kristina Kahlert © Jan Friese

Mit dem Theater Spielen begann Kristina Kahlert eher spät, eigentlich erst nach dem Abitur. „Bis dahin habe ich im Chor gesungen, wo wir neben der klassischen Gesangsausbildung und den Konzerten auch regelmäßig Kinderopern, Singspiele und Musicals zur Aufführung brachten. Den Wunsch Schauspielerin zu werden, hatte ich aber schon viel früher“, erzählt sie weiter, „warum, kann ich gar nicht so genau sagen. Ich war oft im Theater, habe mir sehr viel angeschaut und mochte einfach den Raum, die Stimmung, die Spannung, die dort herrschten. Und wenn ich den Schauspielern auf der Bühne zuschaute, dachte ich immer, das will ich auch machen, ich will jeden Tag im Theater sein“. 2012 bewarb sich Kristina Kahlert an der Schauspielschule des Schauspielhaus Salzburg. „Als mir Salzburg den Studienplatz anbot, war ich sehr, sehr glücklich und packte sofort meine Koffer.“

Aufbruch Richtung Konstanz

Jetzt heißt es erneut Koffer packen, diesmal für Konstanz. Wie ist das eigentlich so mit einem Engagement-Wechsel in Zeiten von Corona? „Das war ein bisschen traurig“, erzählt Kristina Kahlert. „Wir bekamen eines abends eine E-Mail, dass die Produktion DER GROßE GATSBY endgültig abgesagt ist und voraussichtlich die Saison nichts mehr stattfindet. Natürlich hat man es geahnt, aber plötzlich hatte ich die Gewissheit, dass ich am 4. März meine letzte Vorstellung in Salzburg gespielt habe, ohne zu wissen, dass es die letzte war. Aber“, so die Schauspielerin optimistisch, „es geht ja immer weiter.“

Kristina Kahlert © Henrik Pfeifer

„Die zweite Herausforderung war dann, mich um eine Wohnung in Konstanz zu kümmern. Zum Glück haben meine Eltern ausgeholfen und für mich besichtigt, da ich ja nicht über die Grenze durfte. Zum Mietvertrag unterschreiben musste ich dann allerdings doch persönlich vorstellig werden, aber auch hier hatte ich Glück. Ich bin sowohl bei der Einreise nach Deutschland als auch zurück nach Österreich an sehr nette Grenzbeamte geraten und ohne Quarantäne davongekommen.“

Voller Motivationsschub voraus

Auch zwischen letzter Vorstellung und neuen Aufgaben wurde Kristina Kahlert nicht langweilig. „Neben dem täglichen Training auf dem Rennrad, für das plötzlich sehr viel Zeit war, habe ich am Anfang, wie jeder wahrscheinlich, meine ganze Wohnung sehr, sehr gründlich geputzt und viel gebacken (Mehl und Hefe habe ich nicht gehamstert!!! 🙂 ). Dann bin ich kurzfristig mal in die Netflix-Falle getappt und habe zu viel Zeit vor dem Computer verbracht, gefolgt von täglich mehreren Stunden Spazierengehen. Irgendwann kam schließlich der Spielplan für die nächste Saison in Konstanz raus, das gab mir einen Motivationsschub und ich habe mir all die Stücke und Romane besorgt, die dort auf die Bühne kommen. Jetzt bin ich fleißig am Lesen.“

Krisensituation sollen einen Dinge über sich selbst lehren. Diese Erfahrung machte auch Kristina Kahlert. „Ich habe bemerkt, dass ich doch nicht so gerne alleine bin wie gedacht. Nach spätestens zwei bis drei Wochen habe ich mir den Alltag mit Proben und Kollegen zurückgewünscht. Außerdem habe ich recht schnell gemerkt, dass es in der Krisensituation überhaupt nichts bringt, sich übermäßig zu stressen und zu viele Gedanken und Sorgen zu machen. Das ändert die Situation auch nicht.“ Ein bewährtes Mittel der Schauspielerin für gute Laune ist ihr Morgenritual: „Kopfhörer auf und einmal durch die Wohnung tanzen, danach ist man immer glücklich“. Das scheint zu wirken, Kristina Kahlert ist der beste Beweis.

 

Fotonachweis: siehe Bildunterschriften

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