"Die Pest" Christoph Wieschke © Christina Canaval

„Der Junge muss Schauspieler werden!“

Hör mal, wer da hämmert: Schauspieler Christoph Wieschke

Die Oma wusste es bereits, „Der Junge muss Schauspieler werden!“. Diesen Traum hat sich Christoph Wieschke längst verwirklicht. Aktuell pendelt der Schauspieler zwischen Hörspiel, Heimwerker-Tum und noch einigen weiteren Projekten.

Bis Ende August müssen die Theater ihre Türen geschlossen halten. Eine schier endlos lange Zeit, möchte man annehmen. Aber erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Bestes Beispiel dafür ist Christoph Wieschke. Der gebürtige Berliner ist seit über zehn Jahren fixes Ensemble-Mitglied am Landestheater und bestreitet aktuell täglich Aufführungen. Was sich so verwegen anhört, ist kein Akt der Rebellion oder verstimmtes Jetzt-erst-Recht. Vielmehr bietet die Aktion „Getrennt vereint: Zwischenspiel am Theater“ am Landestheater Salzburg Christoph Wieschke und seinen KollegInnen eine Bühne, die crossmedial direkt ins Herz des Publikums zielt.

Theater-to-Go

Vor sechs Jahren spielte Christoph Wieschke in Camus‘ DIE PEST. Jetzt las der Mime den Text für das Landestheater ein (hier). Der Roman handelt von einer Stadt an der Westküste Algeriens, in der plötzlich die Pest ausbricht. Ein Arzt erkennt die Gefahr und setzt Gegenmaßnahmen.

"Die Pest" Christoph Wieschke © Christina Canaval
„Die Pest“ Christoph Wieschke © Christina Canaval

„Als wir vor sechs Jahren das „Pest-Projekt“ verwirklichten, machten wir einige unerwartete und überraschende Entdeckungen über das Was und das Wie dieses Romans, aber auch für die Inszenierung. (Einen zweistündigen Monolog spielt man als Schauspieler schließlich nicht alle Tage; und das im großen Haus des Landestheaters.) Inhaltlich gibt es einige Parallelen zu den momentanen Verhältnissen. Beispielsweise die zermürbende Gleichförmigkeit der Quarantäne und die Trennung von Menschen, die eigentlich zueinander wollen. Die Pest ist kein Heldenroman, sondern eine Geschichte der Nächstenliebe und der Solidarität. Ein Bekenntnis zur Tätigkeit – zur Tätigkeit für den Menschen. Also reinhören und begreifen, dass die Zeit unser größter Feind und unser stärkster Verbündeter ist: Carpe diem.“

Alles Theater

Langeweile hat bei Christoph Wieschke aber auch so keine Chance. „Ich beschäftige mich mit Texten, Sprache und Sprechen. Das geht auch gut alleine. Aber mit zwei lebenslustigen Kindern zu Hause wird es sowieso nicht langweilig.“ Der Schauspieler, dessen erste Spielzeit in Salzburg mit Goethes FAUST I begann, eilt bereits zum nächsten Auftritt. In welcher Rolle? „Vermutlich als Riese Bombastico im Puppentheater meines Sohnes heute Nachmittag.“ Damit beschreitet der Filius ähnliche Wege wie sein Vater. Es war Christoph Wieschkes Großmutter, die ihn zum Theater brachte. “ Als ich noch Kind war, sagte sie immer laut: „Der Junge muss Schauspieler werden!“ Sie war selbst eine theatrale Person. Ohne ins Theater zu gehen. Darüber hinaus waren die ersten Theaterbesuche sehr prägend. Ulrich Mühe am Deutschen Theater Berlin Ende der 80er Jahre ließ mich durch sein Spiel erahnen, was Schauspielerei überhaupt bedeuten kann.“

"Die Pest" Christoph Wieschke © Christina Canaval
„Die Pest“ Christoph Wieschke © Christina Canaval

Hör mal, wer da hämmert

Aber auch wenn der Schauspieler immer mit dem Theater verbunden ist, dann gibt es sie eben doch – die Momente, in denen er vermisst. „Die Stunde vor dem abendlichen Auftritt auf der Bühne fehlt mir am meisten“, verrät Wieschke. „Man streift langsam den Alltag ab, ist aber noch nicht ganz in der neuen Rolle. Dieser Zustand der wachsenden Energie und Konzentration kurz vor der Entladung in der Rolle.“ Da der Mensch ein Gewohnheitstier sei, empfinde er alle Veränderungen als beängstigend. „Aber der Wandel ist ein wesentlicher Bestandteil der Evolution und schafft Neues“, subsumiert der Schauspieler lebensfroh. Gegen Lagerkoller weiß er ebenfalls Abhilfe. „Da ich zum Glück auch eine gewisse handwerkliche Begabung habe, werden verschiedene Projekte in Haus und Garten verwirklicht. Sandkasten und Baumhaus stehen auf der Agenda. Ansonsten ist alles gut, was uns bewegt. Innerlich und äußerlich.“

Lautes Lesen schafft Klarheit

Übrigens, wer jetzt selbst nach Beschäftigung sucht: „Ich kann immer nur empfehlen, laut vorzulesen. Und ich meine wirklich laut. Für die Familie oder einen vorgestellten Zuschauerraum. Diese Vergrößerung schafft auch mehr Ausdruck, schafft Klarheit oder vielleicht Nebel, amüsiert, bringt zum Lachen oder Weinen.“ Sobald die Empfehlung, in den eigenen Vier-Wänden zu bleiben, aufgehoben ist, hat Christoph Wieschke aber auch schon konkrete Pläne. „Da ich auch Leiter einer Theaterschule für Kinder und Jugendliche bin (Salzburg On Stage), werde ich versuchen, das Angebot so schnell wie möglich wieder für die Teilnehmer*innen zugänglich zu machen. Aus Gesprächen mit Eltern und Kids weiß ich, wie sehr die Schüler*innen unsere Kurse in Gesang, Schauspiel und Tanz vermissen.“

 

Fotonachweis: siehe Bildunterschriften

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