S. Zobel in "Halbe Wahrheiten" in der Kunstbox Seekirchen © Albert Moser

„Mein innerer Schweinehund hatte bisher erst gar keine Chance“

Vorgestellt Sonja Zobel

Wenn die heimischen Vier-Wände zur Bühne werden. Sonja Zobel verbindet Haushalt mit Luxushotel und steht vor der schwierigen Frage: Warum hat der Tag eigentlich nur 24 Stunden?!

Die meisten Menschen wissen noch ganz genau, was sie am 11. September 2001 gerade taten, als die Nachricht von den Terroranschlägen in Amerika eintraf. Genau so eine Zäsur gibt es auch für 2020. Sonja Zobel steckte als freie Schauspielerin mitten in den Proben von „Oh Gott, warum gerade ich?“ und spielte abends in anderen Produktionen. Auch eine Tour mit ihrem eigenen Theaterstück durch ganz Österreich stand an, als Covid19 ihre Pläne einfach über den Haufen warf. „Das fällt jetzt natürlich alles weg“, erklärt die Schauspielerin, „aber ich habe meinen Tagesablauf stark strukturiert, um diese Zeit dennoch möglichst produktiv zu nützen.“

Sonja Zobel
Sonja Zobel © Birgit Kaltenböck

Endlich, die Steuer erledigen

Die Extrazeit ist der Salzburgerin enorm wichtig. „Ich genieße vor allem die neu gewonnene Zweisamkeit mit meinem Freund. Wir sind beide sozial sehr aktiv sind und haben meist an jedem freien Abend oder Nachmittag irgendetwas mit Freunden oder Familie geplant. Da das ja momentan nicht geht, fühlt es sich wie ein langer Urlaub an. Außerdem kann ich mich endlich einmal voll und ganz dem Haushalt und der Steuer widmen. Beides Aufgaben, die für mich den blanke Horror darstellen und die ich deshalb immer bis zum allerletzten Drücker vor mich herschiebe.“

Luxusresort zum Selberbasteln

Zittrige Hände, die nach einem nicht vorhandenen Textbuch tasten. Glasiger Blick und Goethes Gretchen auf den Lippen: „Meine Ruh‘ ist hin,/ Mein Herz ist schwer;/ Ich finde sie nimmer/ Und nimmermehr“? Theaterentzug hat bei Sonja Zobel keine Chance. „Ich kann zwar nicht ohne Spielen, aber dafür habe ich ein Rollenspiel erfunden. Wir inszenieren einfach einen Urlaub at Home und stellen uns vor, dass wir selbst in einem Luxushotel zu Gast sind. Gleichzeitig übernehmen wir aber auch alle Funktionen des Betriebes – von Management, bis Küche, Service und und und…“

Struktur ist alles, auch ein gutes Hotel funktioniert schließlich nicht ohne. Untertags herrscht im Hotel Zobel deshalb geschäftiges Treiben. Gegen Abend hin sind die Gäste am Zug – das Personal wechselt in den Erholungsmodus. Spazieren gehen und regelmäßiger Fitness Workout bilden das Trainingsprogramm. „Im Anschluss ziehen wir uns schick an, trinken den Wein, den wir seit Jahren für besondere Anlässe aufheben, und veranstalten an sonnigen Tagen meistens eine BBQ-Night.“ Das Spiel gehe voll auf, zumindest vorerst sei noch kein Anflug von Bühnenentzug vorhanden, „aber wahrscheinlich kommt der noch“, fügt die Schauspielerin kassandrahaft hinzu.

"Der Steppenwolf" mit S. Zobel © Leo Fellinger
„Der Steppenwolf“ mit S. Zobel © Leo Fellinger

Corona Guilty Pleasure

Gegen etwaigen Lagerkoller hilft Sport. „Seit zwei Wochen mache ich täglich ein Fitness Workout. Mein innerer Schweinehund hatte bisher erst gar keine Chance“, schmunzelt Zobel und resümiert „stattdessen fühle ich mich fit, voller Energie und rundum wohl.“ Dazu trägt auch ihr Corona Guilty Pleasure bei: Sudoku und Kreuzworträtsel.

„Ich verschlinge beides geradezu und verbringe aktuell sicherlich zu viel Zeit mit Knobeln“, verrät die Schauspielerin und lacht: „Aber das wirkt sich dann hoffentlich zumindest positiv auf mein Gehirn aus.“ Tatsächlich ist Sonja Zobel so aktiv, dass ihre Tage ruhig mehr als nur 24 Stunden zählen könnten. „Ich würde gerne noch mehr lesen, täglich zwei Stunden einfach nur schreiben und mehr Gartenarbeit schaffen. Nachdem wir ganz oben auf einem Berg wohnen, kämpfen wir täglich gegen die wilden Brombeeren, die immer wieder alles zuwachsen lassen. Das Entfernen ist äußerst schmerzhaft, langwierig und muss ständig wiederholt werden. Außerdem baue ich eigenes Gemüse an und da ist gerade im Frühling viel zu tun.“

Sonja Zobel: Theatertipps gegen Langeweile

Übrigens, wer tatsächlich keinen Tag mehr aushält, ohne eine Theatervorstellung besuchen zu können, die versierte Schauspielerin weiß Rat. „Probieren Sie das großartige und vielfältige Angebot im Netz. Die BBC hat eine fantastische Shakespeare Collection, die mit Schauspielern wie Ian McKellen oder Judie Dench besetzt ist. Auch Josef Haders Kabarett-Programme sind online, zu deren größten Konsumenten vermutlich ich selbst gehöre. Josef Hader ist mein großes Idol. Ansonsten kann ich nur empfehlen: Selbst aktiv werden. Inszenieren Sie ein paar Sketche von Karl Valentin. Entweder mit der ganzen Familie oder, wenn keine da ist, dann schlüpfen Sie einfach selbst in alle Rollen.“

"Der Steppenwolf" mit S. Zobel © Leo Fellinger
„Der Steppenwolf“ mit S. Zobel © Leo Fellinger

Blick in die Zukunft

Die nächste Produktion von Sonja Zobel wird aller Voraussicht nach im Rahmen des Wolfgangseer Sommertheater Ende August stattfinden und ab Herbst dann auch im kleines theater zu sehen sein.

„Für 2020 ist die französische Komödie ICH MACHE DAS FÜR SIE von Petitgirard Tristan geplant, die uns auf unterhaltsame Weise mit uns selbst konfrontiert. Wie viel Verantwortung trägt der Mensch und was geschieht, wenn man existentielle Dinge an andere abtritt, nur um sich vor möglicher Kritik zu schützen? Eine Frage, die ich auch gut an mich selbst stellen kann. Hier reiht sich ein Fettnäpfchen an das nächste und für mich wäre gerade jetzt ein Publikum, das herzhaft lacht, das schönste Geschenk. Ich glaube, wir sind alle bereit für gute Komödien, denn gemeinsames Lachen kann unheimlich viele Wunden heilen.“

Für das Danach wünscht sich die Schauspielerin, dass wieder mehr auf Regionalität und Solidarität gesetzt werde. „Wir müssen verstehen, dass Arbeit auch etwas kostet und dass vor allem Pflegepersonal, Erntehelfer, Lkw Fahrer einen enormen Beitrag zum Erhalt unseres Systems beitragen. In einer Krise hilft es uns wenig, billigst im Ausland zu produzieren, wenn wir dann keinen Zugriff auf Medikamente und Ähnliches haben. Es ist wichtig, endlich die soziale Komponente in unserem Leben mehr schätzen zu wissen und sich bewusst Auszeiten vom Alltag und dem Beruf zu schaffen, um sie mit lieben Menschen zu verbringen.“

 

Fotonachweis: siehe Bildunterschriften

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